| Zur
Geschichte der Indianer und der Weißen |
Zufluchtsorte
der Indianer - die Reduktionen |
| Bis
zum 16. Jahrhundert lebten die Indianer in den Grenzen des heutigen Staates
Paraguay als Nomaden und Halbnomaden. Ihre Zahl wird auf rund 100 000
geschätzt. Ihre Situation änderte sich mit der Ankunft der Spanier,
die den sudamerikanischen Kontinent erobern wollten. |
1527
landeten die ersten spanischen Schiffe an der Mündung des Rio Parana.
Es kam zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Guarani und den
europäischen Eindringlingen. In den Folgejahren versuchten die
Spanier von dem heutigen Argentinien aus über den Rio de la Plata
das Gebiet des heutigen Paraguay zu erobern. Dabei kamen viele Spanier
und Indianer ums Leben. Erst 1537 gelang es den spanischen Seefahrern
mit Stutzpunkten entlang der Flusse Rio Parana und Rio Paraguay das
Land für die spanische Krone zu sichern. Am 15. August 1537 gründeten
sie die Stadt Asuncion, die heutige Hauptstadt Paraguays. Das Leben
der Guarani und der spanischen Eroberer gestaltete sich in der Folgezeit
friedlich. |
Die
Indianerfamilien gaben laut Überlieferung den weiblichen Angehörigen
bereitwillig ihre Zustimmung zur Heirat mit spanischen Männern.
Angeblich soll mancher Spanier 30 bis 50 Frauen gehabt haben. Die Vermischung
von Guarani und Spaniern entwickelte sich sehr schnell. Der erste Gouverneur
des Landes Domingo Martinez Irala förderte diese Entwicklung im
Gebiet des heutigen Paraguay. Im Jahr 1574 lebten bereits 10 000 Mestizen
in Paraguay.
Weitere weiße Siedler kamen in das Land, urn Ackerbau zu betreiben.
Sie beuteten die Indianer als billige Arbeitskräfte
aus. Aus dem benachbarten Brasilien reisten Sklavenhändler
an, die Indianer für die Arbeit auf den Kaffeeplantagen entführten.
Daraufhin flohen viele Guaranf in die Wälder.
Nachdem die Jesuiten die Guaranf-Sprache erlernt hatten, konnten sie
das Vertrauen der Indianer gewinnen und mit ihnen die Reduktionen als
Schutzsiedlungen vor Sklavenjägern
errichten. Die Guaranf lernten das Land systematisch zu bewirtschaften
und waren handwerklich sehr geschickt. Unter Anleitung der Jesuiten
stellten sie steinernen und holzernen Figurenschmuck und Ornamente in
den Reduktionen her, die heute noch zu sehen sind. Für das Leben
in der indianischen Gemeinschaft waren die Häuptlinge,
die Kaziken, verantwortlich, die in den Kirchen der Reduktionen Grabmale
bekamen. Das sichere Leben der Indianer bei den Jesuiten endete abrupt
1768 mit der Ausweisung der Jesuiten aus Sudamerika durch die spanische
Krone. |
Vertreibung
durch den Bau des Staudammes von Itaipú |
| Der
natürliche Lebensraum der Aché in Ostparaguay im vergangenen
Jahrhundert zum Großen Teil ein riesiges Bauvorhaben zerstört.
Gemeinsam mit Brasilien errichtete der paraguayische zu Zeiten des Diktators
Alfredo Stroessner den Itaipu, der den Rio Parana im Grenzgebiet von Brasilien
und Paraguay auf einer Länge von circa 170 Kilometern staut. |
Das
Bauwerk ist 196 Meter hoch und 1200 Meter lang. Etwa 12,8 Millionen
Kubikmeter Beton wurden für den Bau dieses ehrgeizigen Projektes
benötigt.
Die erste Turbine des dazu gehörenden Wasserkraftwerkes ging 1983
in Betrieb. Im Jahr 1991 war das Kraftwerk mit 18 Turbinen fertig gestellt.
Sie erzeugten im Jahr 2000 insgesamt 93 Millionen Megawatt Strom. Davon
erhält
Brasilien 90 Prozent. Die übrigen zehn Prozent der Stromproduktion
stehen Paraguay und zu geringen Teilen Argentinien zur Verfügung.
Dem Land Paraguay stehen vertraglich 50 Prozent der Einnahmen aus dem
Verkauf zu. Die hydroelektrische Energie ist auch die Basis für
die Versorgung im eigenen Land.
Dr. Johannes Hesse, einer der Gründer des Vereins Indianerhilfe
in Paraguay e.V., weiß zu berichten:
"In den siebziger Jahren tauchten in der deutschen Presse Berichte
über die verzweifelte Lage der indianischen Volker auf. Ausgelöst
wurde diese Situation durch die großflächigen Erschließungsprogramme
in der Region wie zum Beispiel der Bau des Staudamms Itaipu für
das damals größte Wasserkraftwerk der Welt, vornehmlich zur
Versorgung der Industriemetropole Sao Paulo in Brasilien. Das Waldgebiet
Ostparaguays, Lebensraum der Ache, wurde überflutet Oder durch
Umwandlung von Wald in landwirtschaftlich genutzte Flachen eingeengt.
Zunächst war nach der Vertreibung das Überleben der Ache zu
sichern, was in enger Zusammenarbeit mit den Steyler Missionaren, die
sich der verbliebenen Ache angenommen hatten, geschah." |